Bericht des Web-Podiums „Künstliche Intelligenz zwischen Forschung und Umsetzung“ am 27.5.

Martin Kügler

Mit den drei Diskussionsteilnehmern Prof. Peter Parycek (Mitglied im Digitalrat der Bundesregierung), Dr. Andreas Liebl (UnternehmerTUM Projekt GmbH) und Jan Hasse (Deloitte KI GmbH) sowie Prof. Kai Lucks (Moderation) war das Podium hochkarätig besetzt.

Teil der Diskussion war unter anderem die KI-Förderung seitens der Bundesregierung und die Auswirkungen auf die deutsche Forschungslandschaft. Laut Prof. Parycek entstehen aktuell jede Menge Professuren, wobei sich an der Humbold Universität ein größeres Cluster bilden wird, was auch eine koordinierende Funktion haben wird. Am Einstein Center in Berlin ist dies bereits der Fall und es werden gemäß dem amerikanischen Modell vor allem aus der Wirtschaft angefragte Forschungsfelder etabliert, die gleichermaßen, also durch Wirtschaft und Politik, finanziert werden. Daraus wiederum entstehen Forschungsgruppen, die automatisch eine koordinierende Funktion haben. Die Vernetzung der gesamten Forschung könnte jedoch besser sein. Jedoch beruhigt Prof. Paryzek hier: „Es wird aber ein Netzwerk über ganz Deutschland gespannt und zusätzlich erfolgt mittlerweile auch die Vernetzung mit französischen Forschern.“ Ebenso müssen wirtschaftspolitische Schwerpunkte gesetzt werden. Dabei könnten laut Prof. Parycek „bestimmte Bereiche, wo ein hohes Maß an Domänenwissen vorhanden ist, mit der Kompetenz der Datenanalyse und dem Entwickeln von Algorithmen kombiniert werden.“

Schwerfällig hingegen agiert man Deutschland bei der Umsetzung von KI in der Praxis. Dabei setzt Dr. Liebl einen wichtigen Punkt: „Man sieht dies am Beispiel Corona. China nutzt hier zum Beispiel Chatbots, um pro Sekunde bis zu 1500 Leute nach Symptomen oder Kontakten abzutelefonieren. In Deutschland diskutieren wir darüber, dass die Gesundheitsämter zu wenig Personal haben und mehr Leute einstellen müssen. China hat somit einen höheren Reifegrad was den tatsächlichen Einsatz der Technologie anbelangt.“ Dr. Liebl verweist auch auf die psychologische Herausforderung der Erklärbarkeit von KI am Beispiel des Robo-Advisors im Bereich Finanzanlagen: „Viele Menschen haben hier kein Vertrauen, lassen sich aber gleichzeitig von Google Maps navigieren.“ Zusätzlich ist die Nutzung von KI auch eine Frage der Bildung. „Wir müssen das Grundwissen zu KI möglichst vielen Menschen zur Verfügung stellen […]“, so Dr. Liebl. Ein gutes Beispiel hierfür ist der nach finnischem Vorbild ins Deutsche übertragenen Online-Kurs Elements of AI (https://www.elementsofai.de/).

Als problematisch wird von allen Diskussionsteilnehmern die Informationsflut erachtet, womit vor allem mittelständische Unternehmen überfordert sind. „Für viele ist jedoch die anwendungsorientierte KI und deren Kommerzialisierung noch ein weiter Weg, auf dem es vor allem praxistaugliche und Domain-spezifische Daten braucht. Deutsche Unternehmen sitzen auf einem Goldschatz an Daten […]“, so Jan Hasse. Erste Ansätze sind am Beispiel der elektronischen Patientenakte erkennbar, wenngleich wir in Deutschland bei der anwendungsorientierten Nutzung der KI noch am Anfang stehen.

Ein gesamteuropäischer Weg zur praktischen Nutzung von KI könnte vor ein Realtime Übersetzungstool sein, damit sich nicht nur Forscher in ganz Europa unterhalten können, sondern jeder mit jedem.

Ein Transkript des Web-Podiums finden Sie auf der Webseite im Mitgliederbereich des Bundesverbandes M&A unter folgendem Link.