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08Apr

Der europäische M&A-Markt und Global High Wealth Individuals

Kategorie // Aktuelles

Die Tycoons lauern überal

Nach einem schwachen Jahr 2013 hatte sich der europäische M&A-Markt 2014 kräftig erholt, mit einem Sprung von 39% auf ein Nach-Krise-Hoch von 891 Mrd. USD. Das Jahr startete zunächst schwach mit 176 Mrd. USD Transaktionswert im ersten Quartal und kletterte dann in Q2 auf ein Hoch von 312 USD. Im dritten Quartal fiel der Wert erneut auf 202 Mrd. USD, um dann mit 200 Mrd. USD im vierten Quartal abzuschließen. Trotz der Schwäche gegenüber den zwei vorangegangenen Quartalen lag Q4 gegenüber dem Vorjahreswert immerhin um 26% höher.

Treiber in diesem Markt-Karussell waren vor allem Megadeals von über 10 Mrd. USD Transaktionswert. 2014 wurden davon zehn abgeschlossen, 2013 waren es nur sechs Mega-Transaktionen. Besonders augenfällig war die durchschnittliche Größe der Deals. Lag diese in 2013 noch bei 13,9 Mrd. USD, so stieg sie 2014 auf 20,7 Mrd. Das vierte Quartal zeigte dabei, mit der herausragenden Übernahme der Alstom Energie- und Netzsparte durch General Electric für 12,3 Mrd. USD (November 2014) und der Übernahme der deutschen Gagfah im Dezember durch die Annington für 10,5 Mrd. USD, Höchststände. Zum Vergleich: Das vierte Quartal 2013 hatte keine Transaktion mit einem Wert von über 10 Mrd. USD zu bieten, während in Q4/2014 in diesem Bereich 19 Transaktionen (aus einer Gesamtzahl von 76 Transaktionen über 10 Mrd. USD in 2014) unterzeichnet wurden (Mergermarket).

Auffallend in diesem Kontext war die geplante Übernahme der portugiesischen Telecom SGPS durch die Terra Peregrin, die im Januar 2014 zurückgezogen wurde. Die wichtigste Beteiligung der Telecom SGPS ist ein 25,7%-Anteil am brasilianischen Telecom-Betreiber Oi SA. Hinter der Peregrin-Holding steht die reichste Frau Afrikas, Isabel dos Santos, die Tochter des ehemaligen Präsidenten von Angola, das 1975 von Portugal in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Das Angebot beinhaltete 1,35 EUR pro Share, während die Anteile im Juni 2014 noch bei 2,60 EUR lagen. Normalerweise dürfen Angebote den mittleren Börsenkurs der letzten sechs Monate nicht unterschreiten. Portugal Telecom musste zwischenzeitlich jedoch offenlegen, dass sie 900 Mio. EUR in Debt Securities hielt, die von RioForte Investments SA herausgegeben worden waren, einer Tochter der portugiesischen Espiritu Santo International SA, die aufgrund ihrer Schulden in die Insolvenz getrieben wurde. Isabel dos Santos plädierte deshalb auf Unterschreitung des Durchschnittskurses. Letztlich war dos Santos aber gezwungen, ihr Angebot zurückzuziehen, da die regulierende Behörde die Transaktion untersagte. Dos Santos hatte bereits in den Vorjahren Anteile in portugiesischen Banken erworben: Banco BPI SA und Banco BIC Português SA sowie eine Kommunikationsfirma namens NOS.

Diese „Räubergeschichte“ zeigt beispielhaft, wie die M&A-Welt durch sogenannte „High Wealth Individuals“ der Dritten Welt durchdrungen ist. Zu nennen sind hier auch die Reichen der arabischen Länder – allein Saudi-Arabien zählt 10.000 Prinzen. Angesichts der Konzentration des Reichtums in den Schwellenländern und des Vorankommens der afrikanischen Länder ist anzunehmen, dass hier eine neue Generation von Super-Reichen heranwächst, die in den kommenden Jahren eine bedeutende Rolle im internationalen Kapitalmarkt und insbesondere bei M&A spielen werden – so kam es dos Santo im Wesentlichen auf den Erwerb einer führenden Marktposition in Südamerika an. Was bedeutet das für die Zukunft des M&A-Markts? Die internationale Vernetzung wird immer wieder Oligarchen ins Spiel bringen. Blutgeld, verschobene Entwicklungshilfen und Kleptokratien unterwandern unaufhörlich unser Wirtschaftssystem. Seien wir froh, dass wir Kartellbehörden haben, die diese Entwicklungen aufmerksam beobachten und mit den gegebenen Rechtsmaßstäben Transaktionen verhindern, wie es die portugiesischen Behörden zeigen. Um international erfolgreich arbeiten zu können, brauchen sie jedoch nationalübergreifende rechtliche Hebel. Die Regierungen sind gefordert.

Prof. Dr. Kai Lucks
Vorstandsvorsitzender, Bundesverband M&A

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