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13Mai

Doch Dämpfer für Deutschlands M&A?

Kategorie // Aktuelles

Zur Lage bei Strategen und Finanzinvestoren

Seit vier Jahren beobachten wir einen Aufwärtstrend bei M&A mit deutscher Beteiligung. Dieser scheint zunächst gestoppt. Das vergangene Jahr zeigte noch einen starken Herbst. Die Aktivitäten im November und Dezember waren jedoch schwach. Dies belegt der ZEW-Zephyr M&A-Index, der zwischen August bis Oktober 2014 von 96 auf 98 Punkte leicht anstieg und im November/Dezember regelrecht einbrach und die Marke mit 60 Punkten erstmals seit August 2013 (50 Punkte). deutlich unterschritt: Auch im gleitenden zwölf-Monats-Index machte sich dies bemerkbar. Noch im Oktober 2914 war dieser Index mit 91 Punkten auf ein Vier-Jahres-Hoch gestiegen bevor er im Januar 2015 mit 84 Indexpunkten wieder auf den Wert von August 2014 fiel. 

Dennoch wurden für Deutschland einige hochinteressante große Deals vermeldet. Allen voran die Consumer-Care-Übernahme des US-Pharmakonzerns Merck durch die Bayer AG, für einen Transaktionspreis von 11,3 Mrd. EUR. Bayer konnte den Deal nach zähen Verhandlungen und dem Erhalt der Kartellfreigabe im Oktober abschließen und rückte damit zum weltweit zweitgrößten Anbieter von rezeptfreien Medikamenten und Health Care-Produkten auf. Diese Übernahme stellt auch die größte Beteiligung eines deutschen Unternehmens dar, seit der Übernahme der Siemens-Tochter VDO durch Continental zu einem Preis von seinerzeit 11,4 Mrd. EUR. 

Zu den größten Übernahmen von strategischen Käufern zählt auch der Kauf des US-Kompressor- Herstellers Dresser Rand durch Siemens für mindestens 7,8 Mrd USD, des größten Zukaufs, den die Siemens AG bisher getätigt hat. Hinsichtlich Kaufpreis und strategischem Nutzen ist hier Kritik angesagt, siehe unsere Nachrichten vom April. Schwierig sind die Zeiten vor allem in der Private Equity-Branche geworden. Pensionsfonds und Versicherer weltweit überschütten die Beteiligungsgesellschaften bei ihrer Suche nach Auswegen aus der Niedrigzinsfalle mit Geld. Wird doch mal ein Unternehmen zum Verkauf gestellt, dann ziehen Investoren häufig gegenüber strategischen Käufern den Kürzeren. In 2014 gab es in Deutschland gerade mal sechs Unternehmenskäufe durch Finanzinvestoren im Wert von einer Milliarde Euro oder mehr. Vor dem letzten Boom kam dies manchmal in einem Quartal zusammen. 

Die Konsolidierung der Branche in Deutschland ist weiter in vollem Gange. Manche Fonds sind ausgeschieden. Andere - darunter selbst die Großen der Branche wie Permira, Apax oder Carlyle - haben ihre Teams für den deutschen Markt über die vergangenen Jahre teils deutlich reduziert. Statt wie früher Mega-Fonds in Mega-Deals zu investieren, sind sie nun bodenständiger unterwegs. "Deal-by-Deal" lautet das Zauberwort: Zuerst wird ein zu kaufender Mittelständler identifiziert und dann bei Freunden und Vermögensverwaltern reicher Familien (Family Offices) das nötige Geld eingesammelt.

Wie sehen die weiteren Perspektiven aus? 

Deutschland betreibt momentan den Luxus, sich auf den klassischen Industrien auszuruhen. Wir entwickeln uns mehr oder weniger zu einer Mono-Kultur aus Automobilsektor und den (dazu gehörigen, zyklischen) Komponenten-Geschäften und der Fertigungsautomatisierung. Die Wertschöpfung geht zunehmend ins Ausland, angefangen vom Zuliefer-Geschäft bis zur vertikalisierten vollständigen Automobilfabrik. Die Führungspositionen im Energiesektor (Photovoltaik, Windenergie, etc.) haben wir an Schwellenländer wie China abgegeben. In neuen Industrien wie den Internet-Geschäften sind wir deutlich unterrepräsentiert. Neugründungen im Bereich von-nicht-zyklischen, innovativen Geschäften wie bei der Gesundheitsbranche, Pharma und Biotechnologie leiden unter Zulassungsproblemen.

Was spielt M&A hierbei für eine Rolle?

Die Neugründungen kommen nicht über das Gründungsstadium hinaus und wenn sie einmal größer werden, dann kaufen sie Amerikaner auf und verlagern Forschung und Fertigung in die USA. Die Fondsvermögen und ihre Spieler sind dort zahlreicher und schlagkräftiger. Alles in allem haben wir ein Negativsaldo zu verzeichnen. Das erfüllt mit Sorge.

Prof. Dr.-Ing. Kai Lucks 
Vorstandsvorsitzender, Bundesverband M&A

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