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15Mai

Kommt eine neue Welle von Mega-Deals?

Kategorie // Aktuelles

Die weltweiten Signale stehen auf grün: die Konjunktur ist stark, die Kassen der großen Konzerne sind gefüllt wie nie zuvor

Die weltweiten Signale stehen auf grün: die Kon­junk­tur ist stark, die Kassen der großen Konzerne sind gefüllt wie nie zuvor und vor dem Hintergrund der Erstarkung Chinas und des Comebacks der USA zeichnen sich weltweit weitere Spezialisie­rungen und Konsolidierungen in den Märkten ab.

Deals in der Größenordnung von zweistelligen Milliardenbeträgen sind wieder da und Deutschland ist dabei. Bayer stemmt den zweitgrößten Zukauf der Firmenge­schich­te. Für 10,4 Mrd € wollen sie das Geschäft mit rezeptfreien Mitteln und Gesundheitspräparaten des US-Konzerns Merck & Co übernehmen. Damit springt Bayer in diesem Segment auf Position Nummer zwei weltweit, hinter den US-Wettbewerber Johnson & Johnson. Siemens bemüht sich um die Übernahme von Alstom für 12 Mrd. €, die in den letzten Jahren deutlich zurückgefallen waren. Die französische Regierung stützt eine Siemens-Allianz, schwebt ihr doch eine europäische Lösung à la Airbus vor: idealer­weise ein Zusammenschluss bei der Energie mit Siemens-Mehrheit und ein Bahn-JV unter französischer Führung. Diese Modelle hatten wir schon vor 10 Jahren verhandelt. Damals sperrte sich die französische Regierung gegen eine ausländische Dominanz, weil die Werthaltigkeit des Energie-Joint Ventures größer war als die des Bahn-JV. Aber es gibt mehrere große Fragezeichen: sind solche Joint-Ventures vor dem Hintergrund starker industrieller Interessen überhaupt führbar? Ist die anzustrebende Konsolidierung machbar – gerade vor dem Hintergrund französischer Gewerkschaf­ten? Ist das kartellrechtlich überhaupt durchsetzbar? Doch GE hat einen Verhand­lungsvorsprung und die Nase vorn. Und sie hat den Alstom-CEO Kron auf ihrer Seite, der ein erklärter Gegner von Siemens ist. GE hat auch die bedeutend stärkeren Synergien, da die regionale und produkttechnische Komplementarität größer ist. Noch ist alles offen, selbst eine nochmalige nationalstaatliche Lösung – die aber angesichts der aufkommenden fernöstlichen großen Spieler wohl nicht von Dauer sein kann. Die Börsen sind vor diesem Hintergrund in Bewegung. Spekula­tionen auf eine Übernahme trieben auch den Aktienkurs des Telekom-Ausrüsters Alcatel-Lucent, angesichts der Übernahme-Absichten durch Nokia. Sind dies die Vorboten einer Welle von Mega-Deals? Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Mega-Bewe­gungen durchaus von einer Branche auf die andere „überschwappen“ können, wenn die Märkte eine neue Logik versprechen. Die übergreifende heutige Logik heißt wohl Zusammenschluss im Westen, um den fernöstlichen Spielern zuvor zu kommen. Denn eines ist sicher: die Chinesen werden kommen: in der Energie­technik, in der Bahntechnik und in der Luftfahrt. In der Telekom­munikationstechnik sind sie schon mit an der Weltspitze – nur bei Energie, Bahn und Luftfahrt ist der Abstand noch so groß, dass es noch lange dauern wird, bis sie ganz vorn ankommen. Insofern sind die vorgenannten Fälle auch darauf ausgerichtet, die großen Schwellenländer noch lange auf Abstand zu halten und das Spitzenspiel unter sich auszumachen.

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