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05Nov

Rückblick: Delegationsreise nach China vom 23./31. Oktober

Kategorie // Aktuelles

25.10.2015
Taicang – Heimat der deutschen Unternehmen
Deutsche Unternehmer erkunden die Erfolgsstory vor Ort

1993 investierte das erste deutsche Unternehmen in Taicang. Heute sind es mehr als 200. Eine mehr als stattliche Anzahl für den Nachbarort von Shanghai mit seinen 700.000 Einwohnern. In der Entwicklungszone konzentrieren sich nicht nur Fabriken von Investoren aus Deutschland, es werden auch Facharbeiter nach dem dualen Prinzip in den Betrieben und einem eigenen Zentrum ausgebildet. Diese Ausbildungsstätte war eines der ersten Ziele der deutschen Unternehmerreise, die von der chinesischen Investitionsagentur CIPA zwischen dem 24. und dem 31. Oktober organisiert wird.

Die Erfolgsgeschichte nahm vor 22 Jahren mit der Gründung von Kern-Liebers (Taicang) ihren Anfang. Seitdem haben deutsche Unternehmen rund 2 Mrd. USD dort investiert und sind zu dem prägenden Wirtschaftsfaktor der für chinesische Verhältnisse mittelgroßen Stadt geworden. Wie war das möglich? Von Anfang an haben die örtlichen Behörden, insbesondere das Investment Promotion Bureau, mit ganz gezielten Maßnahmen Betriebe aus Deutschland unterstützt. Sie haben das ganze wirtschaftliche und rechtliche Umfeld auf die Bedürfnisse deutscher Unternehmer eingestellt: Hoher Wert wird in Taicang beispielsweise auf den Schutz geistigen Eigentums gelegt. Logistische Unterstützung erhalten die Niederlassungen auch durch die AHK vor Ort. Anfang nächsten Jahres wird sich hier als Anlaufstelle noch ein German Centre, das von der Bayerischen Landesbank betrieben wird, hinzugesellen.

Ganz besonders wichtig für die Unternehmen aus Deutschland ist die Wertschätzung, die in Taicang der beruflichen Ausbildung entgegen gebracht wird. In einem von der AHK unterstützen Ausbildungszentrum lernen Berufseinsteiger nach dem deutschen dualen System die Berufe Mechatroniker und Werkzeugmechaniker. Bei ihrem Besuch konnten sich die deutschen Unternehmensvertreter einen persönlichen Eindruck verschaffen. Vor Ort arbeiteten die Auszubildenden an ihren Werkstücken. Ihr Abschluss nach drei Jahren praktischer Berufsausbildung und theoretischer Schulung wird von der AHK voll anerkannt. Das dadurch beständig steigende Angebot an Facharbeitern ist ein weiterer Standortvorteil für die deutschen Betriebe vor Ort.

Nach dem anschließenden Besuch bei Haering Precision, einem weiteren deutschen Unternehmen in der Taicang Economic Development Zone, nahm die deutsche Unternehmerdelegation noch an der Veranstaltung „China-German – Investition und M&A“ in Taicang teil. Die deutschen Unternehmer werden auf der CIPA-Reise in den nächsten Tagen noch Shenyang, Beijing und Tianjin besuchen.

26.10.2015 
Shenyang – Made in China 2025
Besuch im BMW Brilliance Werk

Shenyang ist die zweite Station der von der staatlichen chinesischen Investitionsagentur CIIPA (Germany) veranstalteten Reise für deutscher Unternehmer. Vor dem Start der Investitions- und M&A-Forums am 27. Oktober in der Metropole des Nordostens besuchten die deutschen Unternehmensvertreter das BMW Brilliance Werk vor Ort. Hier ist die Verschmelzung des deutschen Konzepts „Industrie 4.0“ und „Made in China 2025“ bereits heute Realität.

Shenyang, die Hauptstadt der Provinz Liaoning, hatte bis in die jüngste Zeit ein eher schlechtes Image: Veraltete, die Luft verpestende Hochöfen und Schwerindustrie prägten das Bild des Zentrums des „Rust Belts“ im Nordosten Chinas. Mittlerweile zählt die Stadt mit ihren acht Millionen Einwohnern zusammen mit Peking und Shanghai zu den drei staatlich geförderten Schwerpunkt-Metropolen des Plans „Made in China 2025“. Während sich die Hauptstadt der Volksrepublik aber auf den IT-Sektor und die Handelsmetropole Shanghai auf die Dienstleistungsbranche konzentrieren sollen, werden in Shenyang ganz gezielt modernste Fertigungsmethoden in der Industrie vorangetrieben. Unter den 136 deutschen Unternehmen, die dort investiert sind, ist BMW mit seinem Joint Venture mit Brilliance das Paradebeispiel für modernste automatisierte Produktion.

In dem Shengyanger Werk wird u.a. die 3er-Reihe und der X1 von BMW gebaut. Als Sonderversion für den dortigen Markt gibt es eine im Fonds verlängerte Version des 3er BMWs – ein Modell, das ganz den gehobenen Ansprüchen der chinesischen Kundschaft entspricht. Die deutsche Unternehmerdelegation hatte Gelegenheit der Fertigung der Karosserien vor Ort zu beobachten: Riesige Roboterarme prägen das Bild in den Werkshallen. Oft scheinen die orangefarbenen Arme zu ruhen. Doch plötzlich fliegen die Funken meterweit. Mit schnellen Drehungen und Bewegungen, die gleichzeitig unheimlich und doch elegant sind, fügen die Maschinen die Einzelteile zusammen. Viele der Vorprodukte wird aus Deutschland angeliefert. Der Automatisierungsgrad in dem Werk liegt indes bei 95%. Vereinzelte Arbeiter wachen über die Maschinen, die völlig selbständig zu handeln scheinen. Die riesigen Anlagen und präzisen Fertigungsprozesse in dem BMW Werk ließen alle Teilnehmer staunen: Sie hatten in Shenyang einen Blick in die Zukunft der Fertigung erhascht.

29.10.2015
Huairou – Daimler baut Zusammenarbeit aus
Markt für Sattelschlepper im Blick

In China vertieft Daimler seine Zusammenarbeit mit dem chinesischen LKW-Hersteller Beiqi Foton. Seit 2012 läuft die gemeinsame Produktion von Sattelschleppern in der Nähe von Peking unter dem Namen Foton Daimler Automotive. Auf ihrer dritten Station besuchten die deutschen Unternehmer auf der Reise der chinesischen Investitionsagentur CIPA das Joint Venture in Huairou. Dr. Liang ZHOU, der Geschäftsführer des Werkes führte die Delegationsteilnehmer persönlich in einem Rundgang durch die Produktionsanlagen.

In dem Werk in Huairou, rund 70 km nördlich von Peking, werden Jährlich rund 100.000 Sattelschlepper hergestellt. Mit neuen Motoren und Modellen plant das Unternehmen für die nächsten zwei Jahre den Vorstoß in den High-End-Bereich des Marktes. Dann werden die LKWs nicht mehr wie jetzt noch unter den Namen Foton verkauft, sondern den Stern von Mercedes Benz tragen. Die Kapazitäten sind da: Schon jetzt kann das Werk bis zu 200.000 Fahrzeuge pro Jahr fertigstellen.

Am vorletzten Tag ihrer Reise zu vier chinesischen Entwicklungszonen nahmen die Reisenden am Nachmittag auch noch an einem deutsch-chinesischen Forum zur Investitionsförderung teil. Im Zentrum stand ein Dialog um die Verbindung von Chinas rasanter Internet- und IT-Branche und der vernetzten Produktion in Deutschland, kurz zusammengefasst unter dem Begriff Industrie 4.0. Nach ihren Stationen in Taicang, Shenyang und Huairou, steht für den letzten Tag noch ein Besuch in der Wuqing Developement Area in der Hafenstadt Tianjin auf dem Programm.

31.10.2015
Wuqing – chinesisch-europäischer Industriepark eröffnet
Entwicklungszone zwischen Tianjin und Peking erweitert

Auf der letzten Station ihrer Chinareise hatte die deutsche Unternehmerdelegation Gelegenheit, der Eröffnungszeremonie des chinesisch-europäischen Industrieparks Wuqing beizuwohnen. WANG Xu, stellvertretende Direktorin der staatlichen Investitionsagentur CIPA und LIU Donghai, stellvertretender Bezirksvorsteher von Wuqing, enthüllten symbolisch das Schild des neuen Teilgebiets der Wuqing Development Area. Anwesend waren darüber hinaus auch Vertreter der EU-Handelskammer. Im Anschluss fand ein Ideenaustausch zwischen deutschen Unternehmensvertretern und ihren chinesischen Gastgebern statt.

Der zu Tianjin gehörige Bezirk Wuqing liegt rund 25 km vom Stadtzentrum und circa 70 km von Peking entfernt. Die Wuqing Development Area besteht bereits seit 1991 und ist rund 50 Quadratkilometer groß. Von den 280 internationalen Unternehmen, die sich dort angesiedelt haben befinden sich 35 deutsche Investoren, u.a. GEA, Grimme und Wago. Die günstige Verkehrslage mit Schnellzuganbindung zwischen der Hauptstadt und der Hafenmetropole sowie die erstklassige Infrastruktur mit modernen Produktionshallen sind große Pluspunkte der Entwicklungszone. Mit dem chinesisch europäischen Industriepark wird die Entwicklungszone jetzt erstmal um einen regional spezialisierten Abschnitt erweitert.

In den Tagen zuvor hatte die deutsche Unternehmerdelegation auf der von der CIPA veranstalteten Reise Entwicklungszonen und einzelne Unternehmen in Taicang, Shenyang und Huairou besucht. Darüber hinaus hatte sie an einer Reihe von hochrangigen Foren zu Investment- und M&A-Themen teilgenommen.

Stefan Gaetzner, Going Public Media AG

 

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