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Rückblick: Frankfurt School: M&A und Private Equity Konferenz am 07.10.2015

Kategorie // Aktuelles

Themen und Kernaussagen

1. Marktentwicklungen M&A und Private Equity in Europa (Grub, CMS)

Peak Deal Wert 280 Mrd. € erreicht. Anzahl leicht zurück gegangen. Branchen TMT und Energy dominieren. Preisniveau: Multiples sind extrem hoch. Größter Deal: Shell übernahm DB Group für 75 Mrd. €. Zunahme von Locked box-Klauseln zeigen: Verkäufer-freundlicher Markt, Risiken werden nach Möglichkeit den Käufern zugeschoben. Dealtreiber ist vor allem Wachstum. Dealbreaker sind hauptsächlich divergierende Preisvorstellungen und negative Due Diligence-Findings. Künftiges Deal-Aufkommen bei Small Cap steigt, bei Large Cap sinkend.

2. Rahmenbedingungen, Trends und Erfolgsfaktoren (Schweppe, Goldman Sachs)

Mehr als 1000 Mrd. US$ Transaktionsvolumen im letzten Quartal. Boom getragen von large Scale Strategic Activities. Im Gesamtjahr werden 4000 Mrd. US $ erwartet. Share-Preise am Tag des Announcements waren positiv. Treiber vor allem Verfügbarkeit von Kapital, günstige Zinsen. CEO & Board Confidence ist besser geworden. Deutschland im Verhältnis zur Volkswirtschaft kleiner Markt: 1 ½…2% vom BSP, zum Vergleich USA bei 8 % vom BSP. Deutsche sind gründlicher und vorsichtiger. EK-Aufnahme dabei schwieriger als in USA und GBR.

3. Boomzeiten für Transaktionsmärkte: Wann kommt die Blase? (Podiumsdiskussion Rittgen, Bayer / Schweppe, GS / Stoffel, BVK / Tschöke, Rothschild / Schalast, Frankfurt School)

zZt. befinden wir uns nicht in einer Blase. Haupttreiber (1) gute Unternehmensergeb-nisse, (2) Multiplikatoren liegen über dem 10-Jahres-Schnitt, derzeit am oberen Ende. Anlagedruck: Im Internet-Geschäft sind die Preise zu hoch. Deutsche Corporates gehen als letzte in den Markt und als erste wieder raus: „German Angst“. Deutschland entwickelt sich gegen den Trend, ist bei M&A weit abgeschlagen. Mittelstand zeigt wenig M&A-Aktivitäten. PE: Secondaries und Tertiaries zeigen die Reife der Märkte. Deals fliegen nur, wenn man etwas ganz anders macht. Häufig zahlt PE zu hohe Preise, vor allem im Handel. Deutscher Rechtsrahmen ist Handicap für M&A. 7. M&A-Welle ist nicht in Sicht, weil kein grundlegend neuer Treiber erkennbar.

4. Welche Chancen bieten transatlantische Akquisitionen? (Podiumsdiskussion Caumanns, Bertelsmann / Groß, Norma Group / von Haacke, 3i Deutschland / Leifker, Unitymedia / Zschocke, Morgan, Lewis & Bockius / Brühl, Goethe-Universität)

Inbound M&A (von USA nach Europa) war immer größer als Outbound. Große Outbound-Deals ex Europa haben das Blatt gedreht (Merck, Bayer, ZF-TRW, Siemens-Dresser Rand. Mann & Hummel kündigte Übernahme der Affinia Group an). TTIP-Auswirkung umstritten. Die USA sind besser aus der Finanzkrise herausgekommen als Europa. Daraus resultiert USA als attraktiver Target-Markt. Südamerika: Konjunktur bergab und steuerliche Hürden. Wenig interessant. Digitalisierungs-Stand der USA viel höher als in Europa, z.B. Smart Home. Google kauft Nest. Risikobereitschaft der Amerikaner größer. Ängste der Deutschen z.B. Datenschutz, bei Verstößen droht Gefängnis. Europäischer Einigungsprozess bremst. US-Amerikaner suchen vor allem paneuropäische Player. Diese schwer zu finden. US-Markt ist interessant weil nicht zersplittert. M&A-Wettbewerb durch asiatische Investoren noch nicht stark zu spüren (Netze-Bereich).Geschwindigkeit der Digitalisierung in den USA und vordrängen von Netflix. Keine einheitliche Digital- und Kommunikations-Struktur in Europa. Rechtlich gute Voraussetzungen für Europäer, Geschäfte in den USA zu betreiben. Voraussetzung zum Einstieg in den US-amerikanischen Markt ist Einschaltung einer erstklassigen amerikanischen Kanzlei. Schutzvorschriften sind in den USA teilweise höher als in Europa.

5. Die Rolle von Family Offices auf dem Markt für Unternehmensbeteiligungen (Redenius-Hövermann, Frankfurt School / Bierl, Westphal Asset Management)

Allokation von Vermögen versus Familien-Psychologie. Unternehmertum als Rückgrat der Wirtschaft. Kontextfaktoren sind entscheidend. Größe des Vermögens und Risikobereitschaft entscheiden für Clusterung der Investments. Basis dafür : Family Offices. Komplexität aus zahlreichen diversifizierten Assets und zahlreichen Nachkommen. Identifikationspunkt Unternehmertum als aktive Aufgabe. Aufbau von Kompetenzteams. In Deutschland 500 Family Offices mit Mindest-Vermögens-Umfang von 100 Mio. €. Treiber ist Family Equity durch (1) Buy, (2) Build und (3) selektiver Ausstieg. Bzw. lange Haltefristen. Abgrenzung zu Private Equity: Jahrzehntelange Entwicklung, Risikobereitschaft auch durch Lehman nicht durchbrochen..

6. Spin Off versus Equity Carve-Out – Was ist der IPO-Königsweg (Blaser, Ernst & Young)

Börsliche Divestments feiern starkes Comeback. 60 börsliche Desinvesttionen in 2014, Performance besser als der Markt: 81% waren besser als der Index. Spin-off wie Osram: ehemalige Mutter Siemens nimmt keinen Einfluss mehr. Siemens-Aktionäre erhielten eine Osram-Aktie für 10 Siemens-Aktien. Equity Carve-Out: heißt: Mutter beherrscht weiter. Methodologie: 70 Studien in den USA, 160.000 Datenpunkte: 60% USA, 40% Europa, 1/3 Öl & Gas, 80% aus 2010 bis 2012. 56% bzw 65% Abstoßen von Randaktivitäten. Kurzfristig ist Spin Off erfolgreicher als Equity Carve-Out. Spin Off ist der Königsweg, mittelfristig 1 Jahr nach IPO weiterhin besser. Operating Performance Equity Carve-Out ist besser als bei Spin Off, die betroffenen Unternehmen waren aber schon vorher die besseren.

 7. Frankfurt als Standort für FinTecs? (Raettig, Morgan Stanley)

Der Spirit von Silicon Valley resultiert aus der ursprünglichen Militär-Anwendung. Haupttreiber war der US-Militär-Etat. Start-Ups sind nicht nur schick sondern harte Arbeit. Standort-Vorteil Frankfurt: bietet ganze Palette von Finance, IT, Kommunikation, Bankenlandschaft, Deutsche Börse, Foreign Exchange, SEPA-Transaktionen. Frankfurt ist größter Knoten im Internet, 35% der Transaktionen der EU gehen über Frankfurt. Im Umkreis von einer Stunde mehr „akademische Fabriken“ als in London und New York. Hohe Arbeitsplatz-Flexibilität. Frankfurt kann gegen Berlin aufholen: Ausschau halten nach Startups, Frankfurt ist internationalste Stadt Deutschlands.

8. Services for Equity – ein attraktives Modell für Beteiligungen an Startups? (Schalast, Frankfurt School / Seitz, Hochschule der Medien)

Services for Equity ist ein attraktives Modell zur Beteiligung an Startups. Ist Ergebnis einer explorativen Studie . Hintergrund: Änderung der Medienlandschaft. Google und Facebook dominieren 2020 diesen Markt. Typischer Player: Media für Equity Fonds. RTL ist Neueinsteiger.70 Media-for-Equity-Deals gab es bisher. Erfolgsfaktoren: Werbeflächen untermonetarisiert, Vorhandensein einer Monetarisierungsalternative, Zielgruppen-orientiert, Mediamix im Prozess anzubieten. Mediabewertung ist komplex. Dominanz Weihnachtsgeschäft. Es gibt viele Beteiligungsmodelle: Umsatz-Beteiligung, Verbund-Marketing. Praktische Herausforderung: das ganze befindet sich noch in der explorativen Phase. Steuer-Fallen. Praxis-Leitfaden ist verfügbar. Bewertung muss für sich stehen. Potenzielle Bereiche: M&A-Beratung, Consulting, IT (Bewertungs-Frage)

9. Schwimmen Mittelständler gut auf der Gründungs-Welle? (Hoepfner, Hoepfner Verwaltungsgesellschaft)

Derzeit Gründungswelle bei High Tech. Warum junge Leute in Startups wollen: Zukunft sehen. Erforderlich: Änderung der Geschäftsmodelle, „Pivoting“, d.h. Geschäftsmodell umdrehen, Modelle verschieben sich. Schritte: Kontakte aufnehmen, Coaching, Auftrag reinholen, Kapital suchen, Knappheit meist in der zweiten Phase, wenn 10 bis 20 Mio € Kapital gefordert sind. Was lohnt sich? Deshalb Dialoge für Neukombination. Vorteile virtueller Organisationen, Outsourcing, ohne Aufträge keine Kosten generieren. Lean Startup. Wir brauchen Unternehmer!

10. Besonderheiten bei M&A-Transaktionen mit Familienunternehmen. (Podiumsdiskussion Drill, Lincoln / Haindl, Serafin / Hoepfner, s.o, / Kramer, Bechtle AG / Rodenstock, Familienunternehmen / Vernohr, Frankfurt School)

EViel besungene Exit-Welle deutscher Mittelständler ist nicht gekommen. Neuaufstellungen erforderlich, Risiken. Rat an die Mittelständler: man sollte sich mit Unternehmensverkauf auseinandersetzen. Nur ca. 10.000 Unternehmen haben ausreichende Größe, sodass sie von Private Equity interessant sind. Von diesen ca. 10.000 Targets wird in den kommenden 20 Jahren nur jedes zweite Unternehmen verkauft; d.h. 5.000 Targets über 20 Jahre, das heißt nur 250 von ihnen kommen jährlich zum Verkauf. Meist zu einem viel zu späten Zeitpunkt, nach dem Peak des Geschäftes und meist nicht genügend vorbereitet. Anteil der Broken Deals ist größer als bei Konzernen. Heuschrecken-Debatte war gestern. Finanz-Investoren haben an Akzeptanz gewonnen.

Abschlussworte und Ausblick (Schalast, Frankfurt School)

Breites Panorama, gute Perspektiven, Herausforderung für neue Geschäfte und Geschäftsmodelle. Hinweis auf Jahrespublikation der Frankfurt School, in der die heute vorgestellten Masterarbeiten abgedruckt sein werden.

 

Prof. Dr. Kai Lucks

 

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