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17Sep

Rückblick: M&A Teatime am 16. September in Frankfurt

Kategorie // Aktuelles

Themen und Ergebnisse

China

Motivation der Chinesen für Outbound M&A ist, eigenes Wachstum voran zu treiben. Dahinter stehen meist „Hidden Champions“, oft Töchter von Staatsunternehmen, hinter denen meist Ministerien stehen, wie etwa das Militär. Die Strategien der Chinesen basieren häufig auf den „36 Strategemen“ = Grundsatzstrategien. Um China zu verstehen, sollte man sich diese ansehen (gibt es in Buch-Format in Deutsch zu kaufen). Die langen Verkaufsprozesse mit Chinesen sind eine Hürde. Das ändert sich zur Zeit. Zunehmend professionelle Prozessführung unter Einschaltung international tätiger Beratungshäuser.

Probleme bei Outbound M&A (nach China): schwierig, belastbare Umsatzzahlen zu bekommen und den eigentlichen Eigentümer zu ermitteln. Lösung: China-Desk vor Ort oder aus Deutschland, zu besetzen mit chinesischen Native-Speakern. Gute Quelle sind Deutsch-Chinesische Verbände, dort aber nur größere Unternehmen abgreifbar, ab Größenordnung 50 Mio. € Umsatz. Bei der Suche nach Unternehmen sind persönliche Kontakte nach China unabdingbar. Suche im Web nach chinesischen Seiten sind auf Chinesisch : es gibt Webseiten, die nur innerhalb Chinas (nicht von Deutschland aus) aufrufbar sind.

Kommunale Mittelständler, z.B. Betreiber von Glasfasernetzen: unvorstellbar, dass diese an Chinesen verkaufen.

Indien

Ergebnisse aus Screening von indischen Target-Unternehmen sind in der Regel enttäuschend. Am Ende sind uns indische Unternehmen fremder als chinesische. Größte Hürde sind Mentalitätsunterschiede, Oligarchen-Gesellschaft. Das Familienoberhaupt entscheidet. Hohe technologische Kompetenzen bei indischen Unternehmen, etwa bei Nano-Technologie. Problem: keine Einigung mit indischen Investoren bei Prozessen für Inbound M&A nach Deutschland. Diktatorisches Verhalten der Inder bei M&A-Prozessen, „beinerne Härte“.

Russland

Seit Beginn der Ukraine-Annexion und Auswirkungen der Wirtschaftssanktionen findet praktisch kein M&A mehr statt – in beiden Richtungen. Outbound M&A bleibt Einzelfall, wie etwa ein Oligarch, der Unternehmen in Westeuropa kaufen / aufbauen will, um der Wirtschaftskrise in Russland zu entkommen. Im konkreten Fall nicht erfolgreich. Problem des „Dual Use“ (militärische Anwendbarkeit): bis hin zur Klebstoffindustrie kritisch, da bei Hochleistungsklebern eine militärische Anwendung nicht ausgeschlossen werden kann (Nanotechnologien). Probleme aus Währungsrisiken: über Nacht sind Schwankungen von 20% an der Tagesordnung.

Iran

Beispiel Nanotechnologien: wollten Technologie in Deutschland vermarkten. Ergebnis der Due Diligence: alle Technologien bereits besetzt, iranische Technologie hat Rückstand. Österreichische OMV (Erdölproduzent) wollte eigene Pipeline aus Iran bauen. Wurde nicht genehmigt. Nach Wegfall des Embargos ist ein Schub von Investitionen nach Iran zu erwarten. Problem: iranischer Eingriff in den syrisch-irakischen Krieg auf Seiten der Schiiten. Könnte zu neuerlichem Embargo führen. Empfehlung: Kontakte nach Iran halten, wechselseitigen Freundschafts-e-mails. Es gibt gute lokale Beratungsagenturen mit guter Vernetzung im Lande.

Brasilien

Sehr schwierige wirtschaftliche Lage, wird sich in den kommenden 12 Monaten noch weiter verschlechtern, erst langfristig Licht am Horizont. Hauptprobleme sind Korruption, Inflation, Fehlinvestitionen in (Sport-) Infrastruktur. Mangelnde Sicherheit und hohe Kriminalität sind Barrieren gegen Investitionen aus dem Ausland. Kein M&A in Sicht. Der BM&A hatte aus diesen Gründen einen bereits angesetzten M&A-Workshop in Sao Paulo abgesetzt.

Deutscher Mittelstand

Kein Verkaufsdruck. Behandelt wurde insbesondere Öffentliche Hand als „Mittelstand“. Hierbei betrachtet: TK-Branche beim Netzausbau: Preis- und Konsolidierungsdruck nimmt weiter zu. Breitband-Ausbau politisch getrieben, „koste es was es wolle“. Selbst Städte wie Solingen (Schuldenlast 1 Mrd. €) bauen Netze weiter aus. Grund: politischer Druck. Kommunalwahlen in einem Jahr: vorher passiert nichts, kein Verkauf an die großen Netzbetreiber denkbar. Strategische Frage ist aber offen: müssen Netze unbedingt bei Gemeinden bleiben? Entscheidungen der Gemeinden sind Hierarchie-getrieben („der Bürgermeister entscheidet“). Große Netzbetreiber bemühen sich darum, Netze zu erwerben. Problem dabei: der Bürgermeister ist der „CEO“ der Gemeinde und er erwartet, vom Vorstand der Netzbetreiber besucht zu werden. Diese können aufgrund der Menge jedoch nur mit dem Head of M&A aufwarten. Das ist aus Sicht der Bürgermeister nicht adäquat. Entscheidend für Verkaufserfolg aus Sicht der großen Netzbetreiber ist die persönliche Nähe – kontinuierliche Bearbeitung der Kunden ist erforderlich.

Big Data

Herausforderung der Virtual Data Rooms-Betreiber ist „Big Data“. Markt-Kennzahl: 30.000 Geschäftskunden mit insgesamt 300 tsd. Verträgen sind zu digitalisieren. Dafür mehrere Wochen Aufwand erforderlich. 3 Monate vor Deal ist dies anzuschieben. Förderlich sind elektronische, IT-basierte Reporting-Prozesse, Data-Warehouse einzurichten. Für Data Room-Betreiber ist zu empfehlen, grundsätzliche Anforderungen an Data zu entwickeln. Dies ist aber von Branche zu Branche unterschiedlich. Auf Branchen spezialisierte Transaktionshäuser haben es da einfacher; sie wissen, was an Daten benötigt wird und was werttreibend ist. Beispiel: Klebstoff-Industrie (aus der Chemie-Branche): spezialisierte Transaktionsberater wissen genau, was an Daten erforderlich und Branchen-Wettbewerbs-entscheidend ist. Dies betrifft auch die Anforderungen an Management-Präsentationen im Zuge von Due Diligences / Unternehmensprüfungen.

 

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