Online-Vortrag „Kulturschock in M&A-Prozessen“

Am 25.08.2020 lud die Timmermann Group gemeinsam mit dem Bundesverband Mergers & Acquisitions e. V. zu einem digitalen Vortrag mit dem Titel „Kulturschock in M&A-Prozessen am Beispiel von FinTech-Übernahmen“ ein. Nach einer Begrüßung durch Dagmar Kirchner, Head of Marketing & Sales der Timmermann Group, übernahm Dr. Johannes Landsperger, Project Lead bei der Timmermann Group mit langjähriger Erfahrung als Unternehmensberater und Change Manager, das Wort und führte die Teilnehmer routiniert und mit reichem Fachwissen durch das knapp einstündige Event.

FinTech, kurz für Financial Technology, verbindet internetbasiert und anwendungsorientiert Finanzdienstleistungen mit innovativen, modernen Technologien. Die Vorteile hierbei sind unter anderem eine erhöhte Effizienz, Transparenz und Automatisierung. Dieser Trend gibt neuen Playern wie Paypal oder Google Wallet die Möglichkeit, als neue Konkurrenz zu herkömmlichen Konzernen aufzutreten. Besonders für Banken sind Kooperationen mit FinTechs interessant, um die eigenen Produkte zu optimieren bzw. zu ergänzen. Durch die Corona-Krise und die durch Social Distancing verstärkte Digitalisierung, kombiniert mit einem gesteigerten Hygienebewusstsein, werden FinTech-Lösungen wie kontaktloses Bezahlen immer relevanter. Die Prognose für die Zukunft lautet: FinTechs wachsen weiter und sind im Rahmen von M&A-Transaktionen hochattraktive potenzielle Partner.
Drei der wichtigsten Ursachen für das Scheitern vieler M&As sind die verspätete Integration der Mitarbeiter, nicht genug Transparenz und die Unterschätzung kultureller Unterschiede. Besonders bei einer FinTech-Übernahme können kulturelle Gegensätze aufeinanderprallen: So treffen beispielsweise FinTech-Unternehmen mit flachen Hierarchien und unkonventionellen Arbeitsweisen auf die oft noch festen Strukturen und routinierten Arbeitsweisen von Banken.

Vor allem zu Beginn einer Bindung zweier Unternehmen ist die Auseinandersetzung mit kulturellen Gegebenheiten essenziell für den weiteren gemeinsamen Erfolg. Um sicherzustellen, dass eine kulturelle Integration grundsätzlich möglich ist, sollte jeder geplante M&A neben der kaufmännischen Due Diligence auch eine Cultural Due Diligence, also eine Identifikation von Risiken bis hin zu einer Unpassung aufgrund kultureller Unterschiede, bestehen. Der schwer greifbare Faktor „Kultur“ muss wertfrei anhand unterschiedlicher Dimensionen wie z. B. Unsicherheitsvermeidung und Machtdistanz messbar gemacht werden. Es gibt es kein richtig oder falsch, kein besser oder schlechter – entscheidend ist allein das Aufzeigen der Unterschiede und die Auseinandersetzung damit.

Danach erst kann ein strukturierter Kulturintegrationsprozess mit dem Ziel einer einheitlichen Unternehmenskultur in Angriff genommen werden. Ein entscheidender Erfolgsfaktor in diesem Prozess ist der Umgang mit den Mitarbeitenden beider Parteien. Werden sie umfassend, transparent und zügig informiert? Werden ihre Bedürfnisse ernst genommen? Können sie den Integrationsmaßnahmen folgen und unterstützen sie diese? Wenn diese Faktoren berücksichtigt werden und der Change nicht erzwungen, sondern geduldig erarbeitet wird, kann mit einem Merger eine gemeinsame, bessere Unternehmenskultur erschaffen werden.

Von Dagmar Kirchner

Bild: Timmermann Group – Welche möglichen kulturellen Unterschiede sollte man bei einem M&A berücksichtigen? (Gesammelte Antworten aus dem Publikum)